Räume ohne Titel
(2024, Free Work)
Info
Eingeladen bei alleinlebenden Frauen in der Gartenstadt Nürnberg. Einige der Frauen sind verwitwet. Die Tür zu einem Reihenhaus wird geöffnet. Zur Begrüßung ein Lächeln aus offenen Gesichtern mit der Bitte hereinzukommen. Liebevoll gedeckte Esstische in jedem Zuhause. Eine rote Tischdecke, Platzsets mit Rosen darauf und ein blaugemustertes Kaffeeservice. Auf dem Kuchenteller liegt eine gefaltete Serviette, zusammengehalten von einer kleinen Wäscheklammer mit Filzblume beklebt - gebastelt von der Enkelin. Auf einem anderen Kaffeetisch stehen gelbe Tulpen, arrangiert mit kleinen Zweigen in einer Glasvase, Schokolade in einer Schale und zwei kleine Igel aus Porzellan. Entlang der Eckbank sind Familienbilder aufgereiht. Der Kaffee wird gerade frisch aufgebrüht und dazu selbst gebackener Kuchen angeboten. Apfelkuchen, Meyerskuchen (ein Geheimrezept), Heidesandkekse, ebenso Schokolade und dazu eine Packung Pralinen als Geschenk. Die Frauen erzählen Geschichten aus der Vergangenheit bis zum Jetzt - über den Hauskauf, den Umbau des Hauses, die Familiengründung, Beziehungen und Freundschaften, Krankheiten, Liebe und Verlust. Und über die Kunst, mit sich allein glücklich zu sein. Sie führen durch die Häuser. Es erzählen sich weitere Geschichten. Nicht mehr chronologisch, sondern von Etage zu Raum und von Raum zu Gegenstand. Die Frauen wohnen seit über 50 Jahren hier, manche schon seit ihrer Geburt. In Allem spiegelt sich ihr Leben wider. Wie belebt man Architektur, die für die klassische Kernfamilie gebaut wurde allein im Alter? Wie viel Raum bleibt? Welche Räume werden genutzt und welche bleiben ungenutzt und warum ist das so? Die Antworten sind nicht eindeutig und zeigen sich abseits des Alltäglichen. Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Badezimmer und Schlafzimmer - sind der gemeinsame Nenner. Ein eigenes Zimmer hatten sie nie - oder nie vermisst. Dafür gibt es Räume, die nicht einfach benannt werden können. Räume ohne Titel. Es sind Schatzkammern, eigene Museen und Oasen. Sie sind gefüllt mit Fotoalben, Ordnern, Souvenirs, Bettwäsche, Pflanzen, Musikinstrumenten, Kinderspielzeug, Büchern, Werkzeug oder abgestellten Möbeln. Die Räume waren einst das Elternschlafzimmer, eines der zwei Kinderzimmer, die Werkbank des Ehemannes, das Bürozimmer, der Hobbykeller oder das Gästezimmer auf dem Dachboden. Heute haben sie keinen Namen mehr, dafür aber ein ganzes Leben inne. Sie beherbergen neben Gegenständen vor allem Gefühle. Die Räume sind Teil des Lebens der alleinstehenden Frauen in der Gartenstadt. Meistens sind sie unsichtbar.












Räume ohne Titel
(2024, Free Work)
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Eingeladen bei alleinlebenden Frauen in der Gartenstadt Nürnberg. Einige der Frauen sind verwitwet. Die Tür zu einem Reihenhaus wird geöffnet. Zur Begrüßung ein Lächeln aus offenen Gesichtern mit der Bitte hereinzukommen. Liebevoll gedeckte Esstische in jedem Zuhause. Eine rote Tischdecke, Platzsets mit Rosen darauf und ein blaugemustertes Kaffeeservice. Auf dem Kuchenteller liegt eine gefaltete Serviette, zusammengehalten von einer kleinen Wäscheklammer mit Filzblume beklebt - gebastelt von der Enkelin. Auf einem anderen Kaffeetisch stehen gelbe Tulpen, arrangiert mit kleinen Zweigen in einer Glasvase, Schokolade in einer Schale und zwei kleine Igel aus Porzellan. Entlang der Eckbank sind Familienbilder aufgereiht. Der Kaffee wird gerade frisch aufgebrüht und dazu selbst gebackener Kuchen angeboten. Apfelkuchen, Meyerskuchen (ein Geheimrezept), Heidesandkekse, ebenso Schokolade und dazu eine Packung Pralinen als Geschenk. Die Frauen erzählen Geschichten aus der Vergangenheit bis zum Jetzt - über den Hauskauf, den Umbau des Hauses, die Familiengründung, Beziehungen und Freundschaften, Krankheiten, Liebe und Verlust. Und über die Kunst, mit sich allein glücklich zu sein. Sie führen durch die Häuser. Es erzählen sich weitere Geschichten. Nicht mehr chronologisch, sondern von Etage zu Raum und von Raum zu Gegenstand. Die Frauen wohnen seit über 50 Jahren hier, manche schon seit ihrer Geburt. In Allem spiegelt sich ihr Leben wider. Wie belebt man Architektur, die für die klassische Kernfamilie gebaut wurde allein im Alter? Wie viel Raum bleibt? Welche Räume werden genutzt und welche bleiben ungenutzt und warum ist das so? Die Antworten sind nicht eindeutig und zeigen sich abseits des Alltäglichen. Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Badezimmer und Schlafzimmer - sind der gemeinsame Nenner. Ein eigenes Zimmer hatten sie nie - oder nie vermisst. Dafür gibt es Räume, die nicht einfach benannt werden können. Räume ohne Titel. Es sind Schatzkammern, eigene Museen und Oasen. Sie sind gefüllt mit Fotoalben, Ordnern, Souvenirs, Bettwäsche, Pflanzen, Musikinstrumenten, Kinderspielzeug, Büchern, Werkzeug oder abgestellten Möbeln. Die Räume waren einst das Elternschlafzimmer, eines der zwei Kinderzimmer, die Werkbank des Ehemannes, das Bürozimmer, der Hobbykeller oder das Gästezimmer auf dem Dachboden. Heute haben sie keinen Namen mehr, dafür aber ein ganzes Leben inne. Sie beherbergen neben Gegenständen vor allem Gefühle. Die Räume sind Teil des Lebens der alleinstehenden Frauen in der Gartenstadt. Meistens sind sie unsichtbar.











